Am Volkstrauertag , dem 14.11.93 haben sich gegen 12.00 Mittags 70-80 Personen aus der faschistischen Szene getroffen. Mit von der Partie waren die Nationale Liste (NL) , die Freiheitliche Arbeiter Partei (FAP), die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und die Wiking Jugend.
Erkannte Faschisten:
Thorsten Heise , FAP Vorsitzender Niedersachsen
Norbert Weidner , FAP Vorsitzender Rhein - Sieg
Norbert Appelt , FAP Hameln
Wolfgang Narath , WJ Bundesführer
Erwin Rauch , NPD Kreisvorsitzender aus Bodenwerder
Bei den Aufmärschen am Volkstrauertag geht es den Faschisten darum, die Greueltaten Deutschlands während des 2. Weltkriegs wegzuheucheln. Alle Beteiligten werden per Saldo zu Helden gemacht. Da ist es egal ob es sich um einen einfachen Soldaten handelte oder um den Kommand-anten eines KZ´s. Nur das die Person "deutsch" war, zählt. In dieser Zeit , in der rechtsradikale und faschistische Geschichtsrevisionisten die deutsche Kriegsschuld zu leugnen versuchen, ist es für die Neonazis besonders wichtig ihre verlogenen Traditionen zu pflegen. So kam es nach der "Wende" zu großen Aufmärschen in Halbe bei Berlin. Dort , wo in einem sinnlosen Gemetzel kurz vor Kriegsende noch Tausende starben, um die bereits gezählten Tage der in Berlin sitzenden Nazi-Bonzen zu verlängern, marschierten in den Jahren 90/91 bis zu 1000 Personen aus der Neonaziszene. Das Grauen des Frühjahrs 1945 wurde umgebogen in ein heldenhaftes Stück Militärgeschichte.Am selben Ort , am selben Tag ehrte übrigens auch die Bundeswehr die Gefallenen des 2. Weltkriegs. Erst das für den Staat anstehende Sicherheitsrisiko , daß durch protestierende AntifaschistInnen herbeigezaubert wurde, machte es dann möglich , daß der Nazi - Aufmarsch in Halbe 1992 verboten wurde.
Dieses Jahr wollten es die Faschisten wieder versuchen. Doch im Falle eines Verbotes vor Ort , hatten sie sich noch andere Ausweich-möglichkeiten geschaffen. Über Funktelefon sollte dann eine Koord-ination erfolgen die es möglich machte an anderer Stelle aufzu-marschieren Nachdem klar wurde , daß Halbe auch 1993 durch Verbot und massiven Polizeieinsatz ausfällt wurde umgelenkt. Es gab dann in einigen Städten (Neubrandenburg ) Aufmarschversuche. Der Großteil vor allem der Westdeutschen Naziszene sollte nach Hameln geleitet werden. Dies gelang aber nur teilweise. Offensichtlich hat die Polizei die Funk-telefone der Nazis abgehört.So konnte zb. ein Bus mit Faschisten aus Ostwestfalen , der wahrscheinlich vom Nazi-Funktionär Bernd Stehmann aus Bielefeld angemietet war , abgefangen werden. Auch der Dortmunder FAP Vorsitzende Siegfried "SS- Siggi" Borchardt wurde so am kommen gehindert.So konnten nur einige mit Privat-PKW´s gekommene Nazis aus Ostwestfalen Hameln erreichen.Dabei handelte es sich um zwei Fahrzeuge mit Mindener Kennzeichen. Vor Ort gab es zunächst einen Treffpunkt in einer Gaststätte in Emmerthal bei Hameln. Ab diesem Zeitpunkt war die Polizei sowie diverse Fernsehteams in direkter Nähe der Faschisten. Denn nachdem höchste staatliche Stellen angeordnet hatten , daß es an diesem Tag zu keinen provozierenden Aufmärschen von Faschisten kommen sollte war die Polizei schnell und massiv vor Ort. Die politische Aussage dieses Tages sollte also heißen: Schaut mal her , liebe ausländische Investoren.
Wenn wir wirklich wollen, sind Skandale wie Rostock oder Fulda nicht möglich. im großen und ganzen sollte sich dies auch bestätigen. Wir können also lernen. Die Geschäftsführer von BRD & CoKG geben zu in Rostock, Fulda und anderswo versagt zu haben. Es ist kein Zynismus so zu argumentieren , denn es wird klar , der Staat kennt seine Einfluß-möglichkeiten. Abgesehen von Polizeipannen heißt das also , daß politische Entscheidungen wie die faktische Abschaffung des Asylrechtsparagraphen durch Nazi-Riots wie in Rostock beschleunigt werden können. Innenminister Seiters tat dies zb. auf einer Presse-konferenz in Rostock. Und andersrum geht es halt auch wenn eine schlechte Auslandspresse für Schwierigkeiten sorgt.
Zum Tag in Hameln.
Von der Gaststätte aus führen die Faschisten zum Friedhof Wehl am Stadtrand von Hameln. Hier gab es schon öfter Treffen von Neonazis. So zb. 1986 als bei einem FAP-Aufzug ein Gegendemonstrant mit Schädelbasisbruch ins Krankenhaus gebracht wurde. An dieser Stelle wurden nach dem Faschismus hingerichtete NS Verbrecher vergraben. Unter anderem der ehemalige Lagerkommandant von Bergen Belsen. Hier formierten sich nun die Nazis , um grölend und fahnenschwenkend über den Friedhof zu ziehen. Bevor dann eine Kundgebung abgehalten werden konnte , wurde die Polizei auf den Plan gerufen.
Sie ordnete den Abbruch des Aufmarsches an. Die Neonazis folgten dieser Anordnung nur sehr zögerlich.
Thorsten Heise von der FAP sagte zu einem Polizisten , der Abmarsch vom Friedhof Wehl sei für seine Kameraden sehr gefährlich , da die "Linken" bereits da seien. Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 10 Antifa-schistInnen anwesend. Scheinbar wollten die Nazis nur Zeit schinden , um in aller Ruhe ein neues Ziel auszusuchen und gemeinsam dort hinzufahren. Nach langem hin und her und dem Versprechen von Heise,"Nach einem kurzen Halt auf einer Tankstelle werde man nach Hause fahren", verließen die Nazis Hameln auf der B1 Richtung Paderborn. Ein wenig hektisch war denn doch , denn Kamerad Heise wurde in Hameln vergessen. Beim Zusammentreffen mit einem Antifaschisten konnte Heises Aktionsradius durch CS-Gas eingeschränkt werden. Die Nazis fuhren aber nicht weit. Nach 12 Kilometern fuhren sie von der B1 ab , und in den Flecken Aerzen , wo sie erneut den Versuch machten eine Kundgebung zu starten. Auf dem Weg dahin hatte der Wagen in dem Thomas Wulf saß , einen Polizisten angefahren. Das und die Tatsache, daß die Polizeiführung von den Faschisten verschaukelt wurde sorgten dann dafür , daß die Gruppe sehr schnell von starken Polizeikräften eingekesselt wurde. Gegen 18.30 Uhr machten dann ca. 80 AntifaschistInnen eine Spontandemo in Aerzen. Auf dem Weg zum Polizeikessel fuhren dann zwei Krankenwagen mit Blaulicht an der Demo vorbei, in Richtung Hameln. Kurz vor dem Kessel kam dann sehr schnell Bereitschaftspolizei auf die Demo zu. Diese war augenscheinlich sehr aggressiv. Zwei Antifas gingen dann auf die Polizei zu , um klarzustellen , daß lediglich eine politische Aussage durch eine Demo gemacht werden soll. Darauf ein Polizist."Das ist nicht mehr nötig , denn wir haben die Nazis gerade schon abgefrühstückt". Das stimmte wohl , daß bewiesen die Krankenwagen. Trotzdem wurde vor dem Kessel noch lautstark demonstriert. Dann ging es zurück ,denn die Faschisten wurden einzeln und mit Polizeibegleitung fahren gelassen. Um ca. 20 Uhr war auch der letzte Nazi verschwunden. Um 21.30 Uhr trafen sich dann aber nochmal ca. 10 Faschisten am Friedhof Wehl. Durch die Teilnahme einiger Personen aus der regionalen Nazi-Szene wird deutlich , daß es auch im Weserbergland gut organisierte Neonazis gibt , was ja so gerne von der Lokalpresse und der Polizei abgestritten wird. Diese Personen können sicher sein , daß AntifaschistInnen sie in Zukunft noch besser im Auge haben werden.
Helft mit diese Faschistischen Funktionäre und ihre Zentren zu isolieren.