Hamelner Nazi-Mailbox ist offline

Sysop der Rattenfänger BBS starb im laufenden Verfahren

 

Die Hamelner Nazi-Mailbox Rattenfänger-BBS ist mit dem Tod von Andrè Völkel endgültig abgeschaltet. Bereits im Dezember 1995 stellte die Mailbox ihren Betrieb im Thule-Netz ein. 1996 nahm Völkel den Betrieb wieder auf. Am 01.09.1996 starb der 28jährige Völkel.

Der Sysop der Hamelner Nazi-Mailbox "Tristan", alias Andre Völkel, wurde am 05.08.1996 vor dem Hamelner Amtsgericht angeklagt. Völkel bedrohte am 22.05.1994 einen Vollstreckungsbeamten, der im Auftrag der GEZ vollstrecken wollte, an Leib und Leben. Desweiteren wurde Völkel angeklagt, weil er am 23.07.1995 im Thule-Netz verbreitetet habe, daß ein Hamelner Antifa illegale Software besitze und illegale Drogen verticke.

Völkel war Mitglied der NPD und der inzwischen verbotenen FAP , ist wegen Körperverletzung vorbestraft und betrieb die Nazi-Mailbox "Wehrwolf-BBS" seit dem 24. Oktober 1994. Am 10. Mai 1995 wurde die "Wehrwolf-BBS" in "Rattenfänger-BBS" umbenannt. Völkel verbreitete als Sysop der Rattenfänger-BBS unter dem Pseudonym "Tristan" Namen und Anschriften des Antifa sowie des KHK Haselwinkel(Staatsschutz). Hasewinkel wurde als krimineller Versager beschimpft. Der Antifa wurde bedroht mit Sätzen wie "Wir kriegen Euch alle!". Völkel forderte dazu auf, den Antifa zur Verantwortung zu ziehen. Deswegen wurde er allerdings nicht angeklagt.

Als Völkel 1995 den Vollstreckungsbeamten bedrohte, war Völkel gerade auf Heimurlaub aus der psychiatrischen Landesklinik in Hildesheim. Dort war er bereits das 2. Mal freiwillig zum 6 Wochen Aufenthalt. Völkel fühle sich verfolgt und bedroht, so die Aussage im Gerichtssaal. Der Richter ordnete daraufhin die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens an. Wenn dann die Schuldunfähigkeit festgestellt worden wäre, würde Völkel in der Sache freigesprochen; immer zugunsten des Angeklagten (zumindest bei Neonazis). Der Prozeß gegen Völkel kam zustande, da Völkel gegen die Strafbefehle Widerspruch eingelegt hatte. Nachdem Völkel die Strafbefehle bekam, bezeichnete der den Richter als "offensichtlich sturzbetrunken, ausgerastet und psychopathisch", dem Antifa wurde eine "homoerotische Beziehungskiste" mit dem KHK Hasewinkel unterstellt.

Die Staatsanwältin beantragte die Beschlagnahme des PCs und sämtlicher Datenträger. Völkel, der im Gerichtssaal keinen zusammenhängenden Satz aussprechen konnte, war nun völlig verunsichert und wurde immer nervöser. Der Richter entschied dann allerdings, daß die Hausdurchsuchung und die Beschlagnahme nur stattfinden sollte, wenn Völkel die Sachen nicht selber herausgäbe. Denn jemand, der so etwas schreibt oder macht kann eigentlich nicht normal sein, so der Richter, der damit auf den Geisteszustand des Angeklagten anspielte.

Die Hard- und Software sollte nach dem Gerichtsbeschluß gleich nach dem Prozeß herausgegeben, bzw. beschlagnahmt werden. Aber die Fahrt vom Gericht führte nicht zu Völkel, sondern aufs Polizeirevier. Stunden später, als Völkel wieder zu Hause war, lief die Mailbox ungehindert. Eine Konfiszierung des noch nicht abbezahlten PCs hatte scheinbar nicht stattgefunden. Was für einen Deal es da wohl mit den Bullen gegeben hat?! Helmut Goy, der dann weitere Stunden später bei dem Hamelner Antifa anrief, beschwerte sich dann, warum denn die Antifa dem Völkel den Computer wegnehmen wollte. Das erklärt natürlich den Deal mit den staatlichen Organen. Einige Tage später wurde der 28jährige Völkel tot in seiner Wohnung aufgefunden. Im Juli 1996 hatte Völkel seinen möglichen Selbstmord angekündigt. Die Mailbox ist nun wohl endgültig abgeschaltet.